Das Buch Abraham - Eine Übersetzung aus dem Ägyptischen?
Das Buch Abraham
Mit eigener Hand auf Papyrus geschrieben?

Eine umfangreiche historische und wissenschaftliche Untersuchung des Buches Abraham und der Papyri, von denen der Text angeblich übersetzt worden sein soll. Konnte Smith tatsächlich ägyptische Hieroglyphen entziffern, zu einer Zeit, wo die Ägyptologie noch in den Kinderschuhen steckte? Übersetzung oder Fantasiewerk Joseph Smiths? Um den Artikel besser verstehen zu können, vermittelt Ägyptologie Basics Grundlagenwissen auf dieser Site.


Einführung
Das Buch Abraham ist heute in die vier mormonischen Standardwerke Heiliger Schrift integriert und findet sich wie bekannt in der „Köstlichen Perle“ wieder. Im Gegensatz zum Buch Mormon, von dem heute kein Original mehr vorhanden ist, stehen ein Teil der Papyri, die Joseph Smith für seine Übersetzung benutzt hat, zur Verfügung. Welche Aufregung diesbezüglich bei deren Wiederentdeckung vor einigen Jahren innerhalb der Kirche bestanden hat, kann man sich vorstellen. Meine Informationen zu diesem Thema entnehme ich größtenteils einem gut recherchierten Buch von Charles M.Larson1.

Gleich zu Anfang möchte ich sagen, dass Larsons Buch ...by his own hand upon papyrus, von FARMS-Gelehrten heftigst kritisiert wurde. Interessant ist jedoch, dass der Ägyptologe und Mormone Dr. Stephen E. Thompson das Buch als das Beste bezeichnet hat, was es zum Thema gibt. Er machte folgende Aussage:

"Meiner Meinung nach ist es die beste Quelle, zu der man gehen kann, wenn man wissen will, was es mit dem Buch Abraham auf sich hat ... Nichts, was von apologetischer Seite her geschrieben wurde, kommt ihm an Richtigkeit nahe ...
Nun, ich sage ihnen, es ist weit mehr akkurat, als alles, was Hugh Nibley jemals zu dem Thema geschrieben hat ...
Denn ehrlich gesagt, meiner Meinung nach, wenn man zu verteidigen beginnt, muss man die Beweise verdrehen. Das, was wir haben, unterstützt uns nicht. Man muss etwas dazu tun. Man muss es manipulieren, man muss es verändern man muss Zitate von oben und unten zusammenfassen und solche Dinge.
"

 

Wie alles begann
In einer für die Kirche sehr schwierigen Zeit geschah am 4. Juli 1835 in Kirtland, Ohio, etwas Aufregendes. Ein Ire namens Michael Chandler kam durch die Stadt und stellte vier ägyptische Mumien aus, die das Interesse der Mormonen in großem Maße weckten2. Die Mumien stammten ursprünglich aus einer Grabstelle, die sich entlang des Nils in der Nähe von Theben befand. Sie wurden von einem Grabräuber namens Antonio Lebelo in den frühen 20er Jahren des 19. Jahrhunderts exhumiert. Aber nicht nur die Mumien waren spektakulär, sondern vor allem die Papyri mit altertümlichen Schriftzeichen, die sich bei den Mumien befanden. Man berichtete Herrn Chandler von Joseph Smith, der in Lage sein sollte, alte Schriften zu übersetzen. Chandler willigte freudig der Einladung ein, die Schriftstücke dem Propheten zur Einsicht zu zeigen. J. Smith erklärte sodann, dass er in der Lage sei, eine Übersetzung vorzunehmen, auch wenn dies einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Die Heiligen kauften dann auch für einen hohen Betrag die gesamte Ausstellung von Herrn Chandler ab3. Die Fähigkeit Joseph Smiths, alte Schriften zu übersetzten, wurde zu dieser Zeit von nicht wenigen – innerhalb und außerhalb – in Frage gestellt. Um so mehr stand nun die Überzeugung im Vordergrund, dass sich diese Fähigkeit jetzt allen offenbaren würde. Die Aufregung war groß, als sich herausstellte, dass es sich bei den Papyri um Schriftstücke handelte, die von Abraham, als auch von Joseph von Ägypten verfasst worden sein sollten.

Joseph Smith schrieb:

„...gemeinsam mit W.W.Phelps und Oliver Cowdery als Schreiber, führte ich die Übersetzung einiger der Schriftzeichen oder Hieroglyphen fort. Sehr zu unserer Freude fanden wir heraus, dass eine der Rollen die Aufzeichnungen Abrahams und die andere die von Joseph von Ägypten enthielten, etc. – ein vollständigerer Bericht wird zu seiner Zeit erscheinen, wenn ich damit fortfahre, sie zu entziffern....“4

Oliver Cowdery berichtete folgendes:

„Zum Thema des Ägyptischen Berichts, oder besser die Aufzeichnungen von Abraham und Joseph, möchte ich folgendes sagen. Dieser Bericht ist wunderschön auf Papyrus geschrieben mit schwarz, und ein kleiner Teil rot, Tinte oder Farbe, vollkommen erhalten.“5

Die Übersetzungsarbeit ging so voran, wie es die Zeit erlaubte und zwar mit dem Teil, der als die Aufzeichnungen Abrahams benannt wurde.6

Neben der eigentlichen Übersetzungsarbeit, arbeitete Joseph Smith zusätzlich noch an einem Alphabet und einer Grammatik der ägyptischen Sprache. Dies war allerdings nicht das erste Werk dieser Art. Andere hatten schon Jahre vor ihm damit begonnen. Joseph Smiths Zeitgenossen waren erstaunt und kamen in Scharen, um diese wundersamen Dinge zu sehen und die Reputation des Propheten wuchs und damit auch die Sicherheit, dass er das Buch Mormon wirklich übersetzt haben konnte. Die Übersetzung wurde aber anscheinend nie fertiggestellt, da der Bericht plötzlich inmitten der Garten-Eden-Geschichte endet.7

Joseph Smith hatte den Schreibern von Anfang an offenbart, dass es sich bei dem Papyrus um eine erweiterte Version des Genesisberichts vom Leben Abrahams handele und das Mose sich bei seinem Bericht auf diesen bezog.8 Dies würde bedeutet, dass der Abraham Papyrus ca. 500 Jahre älter sein müsste, als das erste Buch in der Bibel, da Abraham ca. 2000 v. Chr. lebte und Mose etwa um 1440 v. Chr. Dies lässt sich auch daran erkennen, was in der heutigen Einleitung zum Buch Abraham steht:

„Eine Übersetzung von alten Aufzeichnungen, die aus ägyptischen Grabstätten stammen und in unsere Hände gelangt sind. – Die Schriften Abrahams aus der Zeit, da er in Ägypten war, das Buch Abraham genannt, von ihm mit eigener Hand auf Papyrus geschrieben.9

Also hatte Abraham diesen Bericht selbst in Ägyptisch auf das Papyrus geschrieben. Die Schreiber des Propheten füllten beinahe zehn Manuskriptseiten mit den Übersetzungen, die in einer Spalte rechts neben den handschriftlich dargestellten Hieroglyphen standen (siehe Abbildungen zum Buch Abraham).

Die Übersetzung fand in zwei voneinander getrennten Perioden statt, mit einer Unterbrechung von mehreren Jahren10, wobei einige offene Fragen, in bezug auf neue und von vielen in Frage gestellten Lehren des Propheten, mit dem Inhalt des Buches beantwortet wurden. Demnach war es eine Sensation, als die erste Veröffentlichung in Times and Seasons im März 1842 erschien. Nach dem Tod Joseph Smiths spaltete sich die Kirche in diverse Gruppierungen, von denen die größte die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist. Während andere das Buch Abraham und die damit verbundenen Lehren (Priestertum, Vorherdasein, Ewiger Fortschritt, u.a.) verwarfen, hielten die Anhänger Brigham Youngs daran fest, war es doch die Grundlage für viele, wichtige Lehren der Kirche (und übrigens auch die einzige Quelle, die besagt, dass Schwarze kein Priestertum empfangen dürfen. Siehe Kapitel 1:21,26,27).

1880 wurde das Buch Abraham in einer halbjährigen Generalkonferenz offiziell in den Kanon der Heiligen Schriften der Kirche integriert und bestätigt. Seither ist das Buch ein genauso wichtiger Bestandteil der Lehre der Heiligen, wie zu Zeiten Joseph Smiths. Bruce R. McConkie erwähnt dazu:

„...es enthält unbezahlbare Informationen über das Evangelium, die Präexistenz, die Natur Gottes, die Schöpfung und das Priestertum – Informationen, die in keiner uns jetzt bekannten Offenbarung zu finden sind.“11

Die Zeiten ändern sich
Bis das Buch Abraham 1880 offiziell von der Kirche anerkannt wurde, vergingen fast vierzig Jahre, in denen der Rest der Welt nicht still stand. Nach vielen Jahren harter Arbeit und Studien am „Stein von Rosetta“ und anderen Quellen, waren Gelehrte plötzlich in der Lage, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern und Texte der antike Sprache so zu übersetzen, wie man es vom Griechischen oder Hebräischen her kannte12. In der Abgeschiedenheit des Salzseetales blieben solche Entdeckungen zunächst ohne großen Einfluss auf die Kirche. Die Mitglieder folgten ihren Führern und man hatte seinen eigenen Lebensweg gefunden. Die Papyri gelangten in die Hände von Emma Smith, die Frau des Propheten, die sich weigerte mit Brigham Young zu gehen und in Nauvoo verblieb.

1856, etwa fünf Jahre nachdem die „Köstliche Perle“ in England gedruckt wurde, gelangte ein Exemplar davon in das Louvre nach Paris. Dort wurden die Faksimile, zusammen mit den Erklärungen von Joseph Smith von Theodule Deveria untersucht, der selbst einer der Pioniere in dem Gebiet der Ägyptologie war. Er wurde gebeten, einige Kommentare dazu zu geben.

Deveria fand heraus, dass es sich hier um ein ägyptisches Totendokument handelte und fand sogar den Namen des Verstorbenen heraus. Sein Name war „Horus“. Weiterhin konnte er die Namen und Titel einiger ägyptischer Götter herausfinden. Deveria bezeichnete die Erklärungen Joseph Smiths als kompletten Unsinn. Seine Kommentare erschienen 1860 in Frankreich13 und später in England. Nun drangen auch die ersten Informationen zu den Heiligen durch. Spätestens 1873, als Deverias Studien auch in Amerika veröffentlicht wurden und großes Interesse weckten, war die Kirche offiziell zu einer Stellungnahme gezwungen. Die Kirche lehnte die Studien mit der Begründung von mangelnder Vollmacht und Einsicht ab und unterstrich die Echtheit des Buches Abraham14.

1912 sandte Reverend Franklin Spalding, Utah, die Faksimile zu einigen der führenden Ägyptologen der Welt. Die Ägyptologen waren sich einig, dass „Joseph Smiths Interpretationen der Faksimile, Unsinn von Anfang bis zum Ende sind “, und „dass Joseph Smith völlig unerfahren und absolut unwissend, selbst mit den einfachsten Tatsachen der ägyptischen Schriften und Zivilisation, war “15. Die Papyri stellten sich als ganz gewöhnliche Totenrollen der Ägypter heraus. Von all dem wollte die Kirche aber nichts wissen und dementierte diese Aussagen als ungültig und hob hervor, dass eine faire Interpretation nur mit den Originalpapyri gewährleistet sein kann16. Doch dies schien unmöglich, da die Papyri längst verschwunden waren und angenommen wurde, dass diese 1871 bei dem großen Chicago Feuer zerstört wurden17. Aber dann......

Die Papyri werden wiederentdeckt
1966 machte Professor Aziz S. Atiya im New Yorker Metropolitan Museum eine phantastische Entdeckung. Er fand eine Sammlung von 11 ägyptischen Papyri, die im 19 Jahrhundert auf Papier geklebt worden sind, um diese zu bewahren. Obwohl Dr. Atiya kein Mormone war, fiel ihm eine der Abbildungen sofort auf. Er hatte diese schon einmal in der „Köstlichen Perle“ gesehen18. Die Papyri wurden 1967 der Kirche übergeben und sorgten für eine ungeahnte Aufregung und Begeisterung unter den Mitgliedern der Kirche. Es konnte keinen Zweifel daran geben, dass es sich hier um die Originalpapyri von Joseph Smith handelte. Die Abbildung die Faksimile Nr.1 war wie ein flammendes Banner zu sehen und die Rückseite des Papiers, auf die die Papyri geklebt waren, enthielten architektonische Zeichnungen von Kirtland und dessen Tempel19. Die Kirchenmitglieder erhofften sich nun, dass ein für alle mal bewiesen werden würde, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war und dass die vorangegangenen Vorwürfe, in bezug auf die Faksimile, verworfen werden würden. Außerdem wurde erwartet, dass eine der größten Gaben, die Gott den Menschen je gegeben hat, nämlich die Vollmacht eines Sehers, alte Schriften zu übersetzen, zum Vorschein kommen würde.

Leider war Präsident David O. McKay zu dieser Zeit alt und sehr krank und daher nicht in der Lage, eine solche Arbeit zu tun. Die Mitglieder waren zunächst enttäuscht, als die übrigen Brüder, die ja alle gemeinsam die selben Schlüssel inne hatten, die Papyri an die besten Gelehrten der BYU weiterreichten. Vor einer wissenschaftlichen Analyse, wäre die Aussage eines Sehers über die Authentizität und den Inhalt der Papyri sicher interessant gewesen. Doch die Erwartung einer großen Entdeckung ließen die Enttäuschung bald schwinden.

Diese Abbildung zeigt einen Teil der Papyri, die vom Buch Abraham stammen sollen.

Bekannt als Papyri I und XI. Alle elf Fragmente der Papyri wurden im Februar 1968 in der Improvement Era abgebildet, die etwas 1/3 der von Joseph Smith besessenen Papyri ausmachen sollen. Der Glaube der Mitglieder erfuhr eine enorme Stärkung durch diese Veröffentlichung.


Papyrus I und XI, Abb. 4.2.1
Papyrus I mit dem Faksimile Nr. 1, und Papyrus XI. Von diesem, dem so genannten Sensen-Papyrus, stammt die Übersetzung des Buches Abraham.

Weitere Abbildungen von 9 der 11 Fragmente


Manuskripte – Alphabet und Grammatik
Der Leser mag sich daran erinnern, dass Joseph Smith außer der Übersetzung der Papyri auch noch an einem Alphabet und einer Grammatik arbeitete. Was war damit geschehen und wären diese Dokumente nicht auch ein zusätzlicher Beweis für Josephs Gabe? Für lange Zeit waren diese Dokumente im Kirchenarchiv in Vergessenheit geraten, bis einige Gelehrte, darunter Dr. Sperry, diese 1935 entdeckten. Die Entdeckung wurde jedoch nicht bekanntgegeben und für viele Jahre wurde nur ausgewählten Gelehrten und Autoritäten Zugang gewährt20.

Bis 1965 dann eine Kopie des Mikrofilms der Dokumente aus den Archiven der Kirche „ geschmuggelt “ und an Jerald und Sandra Tanner weitergegeben wurde, die diese ans Licht brachten. Die Untersuchung des Materials von professionellen Ägyptologen ergab, dass die Arbeiten in keinster Weise etwas mit korrektem Verständnis der ägyptischen Sprache zu tun hatten. I.E. Eduards bemerkte, dass die gesamte Arbeit „im ganzen ein Stück Phantasie sei und in jeder Hinsicht an wissenschaftlichem Wert mangelt“21.


Gegenwärtig gibt es vier bekannte originale Buch-Abraham-Manuskripte. Darunter die beiden, die als Alphabet und Grammatik bekannt sind –

Abb. 4.2.2

Manuskript 1:

Zehn Seiten lang und enthält die Übersetzung von Abr. 1:1 – 2:2. Enthält Teile des Manuskripts 3. Linke Spalte ägyptische Zeichen, rechte Spalte Übersetzung Joseph Smiths mit Handschrift seines Schreibers.

Manuskript 2:

Gehört zu Alphabet und Grammatik. Vier Seiten lang und enthält die Übersetzung von Abr. 1:4 – 2:6. Linke Spalte ägyptische Zeichen, rechte Spalte Übersetzung Joseph Smiths mit Handschrift seines Schreibers.

Manuskript 3:

Gehört zu Alphabet und Grammatik. Sechs Seiten lang und enthält die Übersetzung von Abr. 1:1 – 2:2. Linke Spalte ägyptische Zeichen, rechte Spalte Übersetzung Joseph Smiths mit Handschrift seines Schreibers.

Manuskript 4:

Vierzehn Seiten lang. Enthält die Übersetzung von Abr. 1:1 – 2:18 und 3:18 – 3:26. Beinhaltet keine ägyptischen Zeichen. Dies ist wahrscheinlich der Text, der 1842 in der Times and Season gedruckt wurde. Abbildung 4.2.2 zeigt Seite vier des Manuskripts 1.

Bislang konnte nur das Faksimile 1 auf Papyrus I als Hinweis auf das Original des Buches Abraham gewertet werden (Abbildung ganz oben). Doch wie sah es mit den Texten aus? Nach eingehenden Untersuchungen stellt man plötzlich fest, dass die Reihenfolge der Hieroglyphen auf Papyrus XI mit der Reihenfolge derer auf den Manuskripten übereinstimmte. Man hatte nun zumindest einen Teil der ursprünglichen Quelle des Textes auf einem der Papyri gefunden!

Abbildung der vier Manuskripte

Die folgende Abbildung zeigt, dass die Zeichen von der ersten Zeile des Papyrus genommen wurden. Das Manuskript 1 enthält die Zeichen der ersten vier Zeilen des Papyrus. Manuskripte 2 und 3, die weniger Text enthalten die Zeichen der ersten zwei Zeilen.

Dies ist aber nicht der einzige Beweis dafür, dass es sich um das Original handelt. Dr. Klaus Baer, von der University of Chicago, stellte bei seinen Studien fest, dass die beiden Papyri I und XI (Abbildung 4.2.1) einst zusammengehörten und Teil einer größeren Rolle waren und nicht einfach willkürlich auf das Papier geklebt wurden. Diese Annahme wurde durch eine physikalische Analyse bestätigt. Somit waren die Papyri einmal zusammenhängend an einem Stück.22

Diese Feststellung passt in die Bemerkung im Buch Abraham selbst, wo es heißt:

„...und damit man Kenntnis habe von diesem Altar, will ich auf die Darstellung zu Beginn dieses Berichts verweisen. “23

Und weiter:

„Damit man eine Vorstellung von diesen Göttern hat, habe ich in der Abbildung am Anfang [des Buches] ihr Aussehen angegeben... “24

Um die Bedeutung ganz erfassen zu können, muss man sich vor Augen halten, dass die ägyptische Sprache, im Gegensatz zu Deutsch oder Englisch, genauso wie Hebräisch, von rechts nach links gelesen wird. Somit erscheint am Anfang die erwähnte Darstellung und anschließend der Text.

Somit steht fest, dass sowohl Papyrus I mit dem Faksimile Nr. 1 und Papyrus XI (Kleines Sensen Papyrus) ein Teil der Quellen für das Buch Abraham waren.

Die Papyri werden identifiziert
Folgende Anforderungen waren nun erfüllt, um die Wahrheit über die Papyri ans Licht zu bringen und den Widerstreit zwischen Kritikern und der Kirche zu beenden:

1. Die ägyptische Sprache wurde entziffert.
2. Die Originalpapyri wurden gefunden und standen für Studien bereit.
3. Die Übersetzungsmanuskripte lagen vor und konnten mit bestimmten Fragmenten in Zusammenhang gebracht werden.
4. Durch Alphabet und Grammatik lag die Art und Weise der Übersetzung des Propheten vor.

Innerhalb der Kirche musste man entscheiden, wie man verfahren sollte. Da es in der Kirche keinen qualifizierten Ägyptologen gab, wurde von Dr. Sperry und Dr. Clark (BYU) Dr. John A. Wilson von der University of Chicago empfohlen. Doch die Kirche zögert damit, einen nichtmormonischen Gelehrten mit der Arbeit zu betrauen.

So fiel die Verantwortung Ende 1967 zunächst auf Dr. H. Nibley, einem brillanten Sprachwissenschaftler der Kirche, der auch schon etliche Bücher als Antwort auf viele Kritiken gegenüber der Kirche geschrieben hatte25.

Dr. Nibley war jedoch kein Ägyptologe, wie er selbst bemerkte, obwohl er schon in Chicago begonnen hatte, sich mit der Sprache zu befassen. Doch unter den Sprachen stellt Ägyptisch eine Besonderheit dar und Dr. Nibley fühlte sich unqualifiziert, alleine an die Arbeit zu gehen.

In einem Brief, vom 27. Juni 1967, also ein halbes Jahr vor der offiziellen Veröffentlichung der Papyri!, wendet sich Dr. Nibley an einen Ältesten der Kirche namens Dee Jay Nelson, der sich seit über zwanzig Jahren mit der Sprache vertraut gemacht hatte und bittet ihn um Hilfe bei dem Unterfangen26.

Aus dem Brief geht auch hervor, dass die Autoritäten der Kirche schon einige Zeit vor der Veröffentlichung im November 1967, von der Existenz der Papyri wussten.

Dee Jay Nelson willigte ein und im Januar 1968 machten sich beide an die Übersetzungsarbeit. Überzeugt von Nelsons Qualifikation, sandte Nibley ihn mit einer Empfehlung zu Apostel N. Eldon Tanner nach Salt Lake, wo Nelson eine Serie von Fotografien erhalten sollte, die nur zu Kirchenzwecken verwendet werden durften.

Nelson entdeckte die Verbindung zwischen Papyrus I (Faksimile 1) und Papyrus XI und deren Zusammenhang mit dem Buch Abraham (wie oben beschrieben). Am Ende seiner Arbeit angelangt, wurde Nelson von etwas irritiert: Keines der genannten Papyri enthielt das Buch Abraham und mehr noch, es gab nicht einmal den entferntesten Hinweis darauf. Die Papyri waren schlicht einfache Totendokumente, die nach 500 v. Chr. Geschrieben wurden, nicht mehr und nicht weniger. Nelson gab seine Resultate an die Kirche weiter und sandte Kopien an Dr. Nibley und Elder Tanner. Die Kirche verweigerte jedoch eine Publikation der Arbeiten und wollte diese erst prüfen lassen, was Nelson nicht akzeptieren wollte27.

Dr. Nibley nannte die Arbeit von Nelson hingegen „ein gewissenhaftes und mutiges Stück Arbeit.“28 Von Seiten anderer Mitglieder der Kirche jedoch wurde seine Arbeit und seine Person angegriffen. Dies nicht allein deswegen, weil Nelson begonnen hatte eine eigene Publikation herauszugeben und letztlich wegen seiner Entdeckungen mit samt seiner Familie den Glauben an die Kirche verlor und diese verließ.

Zur selben Zeit veranlassten die Herausgeber einer inoffiziellen Kirchenzeitschrift, dass die Papyri von unabhängigen, renommierte Ägyptologen untersucht werden sollten. Dr. John A. Wilson (University of Chicago), Dr. Klaus Baer (University of Chicago) und Prof. Richard Parker (Brown University) bestätigten alle, dass die Papyri nichts anderes als Grabtexte seien und lieferten ihrerseits Übersetzungen des Papyrus XI (Kleines Sensen Papyrus), von dem ein Teil der Übersetzung des Buches Abraham stammt.

Dr. Nibley begann zu dieser Zeit eigene Wege zu gehen und entwickelte etliche Theorien, wie das Buch Abraham anders als das Resultat „einer Übersetzung“ zustande gekommen sein könnte. In einem Artikel sagte er:

„Heute behauptet niemand mehr, dass Joseph Smith seine Informationen durch normale Kanäle von Gelehrten erhalten hat. In diesem Fall mag man sich fragen, wie das normale Überprüfen durch die Kanäle von Gelehrten uns sehr weit bringen kann.“ 29

Und obwohl Nibley sich von den wissenschaftlichen Ergebnissen distanzierte, lieferte er nie eine eigene Übersetzung der Papyri.

Die Papyri näher betrachtet
Um das ganze nicht zu umfangreich zu machen, hier eine kurze Zusammenfassung der Inhalte der einzelnen Fragmente.30. Dr. Baer, vom Orientalen Institut von Chicago, identifizierte alle elf Fragmente als Teile von drei bekannten, ägyptischen Papyrusdokumenten31:

1. Buch des Atmens (Book of Breathings), auch bekannt als Shait en Sensen. Gefunden in Papyrus I, X und XI.

2. Buch der Toten (Book of the Dead) für die Dame Amon-Re Neferirnub. Gefunden in Papyrus IIIA und IIIB.

3. Buch der Toten (Book of the Dead) für die verstorbene Tshenmin (Ta-Shert-Min). Gefunden in Papyrus II, IV, V, VI, VII, VIII und XI.

Hier ein Auszug der beiden Papyri, von denen Teile der Übersetzung entnommen wurden:

Papyrus I

Eröffnungsteil des Shait en Sensen Buches mit dem bekannten Faksimile Nr.1. Es handelt sich um einen späten, abgekürzten Beerdigungstext, der vom Buch der Toten stammt. Er enthält eine Reihe magischer Aussagen, die vom Geist des Leichnams nach seiner Beerdigung vorgetragen werden soll, um für das Leben danach vorbereitet zu werden und stammt aus der Zeit zwischen 50 v. Chr. und 50 n. Chr. Eine komplette Übersetzung ist vorhanden32.

Papyrus XI

Dieses Fragment war ursprünglich mit dem Fragment I verbunden und enthält die Hieroglyphen, von denen übersetzt wurde. Es stammt aus dem 1 Jahrhundert n. Chr.

Eröffnungsteil des Shait en Sensen aus dem ersten Jahrhundert, das für Hor – einen verstorbenen Priester des ägyptischen Gottes Amon – gemacht wurde. Enthält magische Sprüche und Instruktionen dazu. Komplette Übersetzung vorhanden33.

Die Inhalte der anderen Papyri können in weiterer Literatur eingesehen werden. Die Ausführung würde hier zu weit gehen34.

Zum Buch Joseph, welches von Joseph Smith nicht übersetzt wurde, sei gesagt, dass es sich hier um das Buch der Toten für die Dame Tshenmin (Ta-Shert-Min) handelt35.

Vergleich der Übersetzungen und Interpretationen
Interessant ist nun Übersetzungen einmal im direkten Vergleich zu betrachten. Dazu dienen folgende Abbildungen vom Papyrus XI im Vergleich zu Manuskript Nr. 1. In der Abbildung sieht man sehr schön die ersten vier Zeilen mit den Hieroglyphen, die genau in der Reihenfolge auch auf den Manuskripten der Übersetzung von Joseph Smith zu finden sind.



Hier nun die Gegenüberstellung der Übersetzung mit den ersten vier Zeichen. Weitere können natürlich eingesehen werden 36. Siehe auch: Die komplette Übersetzung von Papyrus XI.

Richtige Übersetzung — Joseph Smith Übersetzung Buch Abraham


das, diese

11. Dieser Priester aber hatte auf diesem Altar drei Jungfrauen auf einmal geopfert, und das waren die Töchter des Onita, eines königlichen Abkömmlings direkt aus den Lenden Hams. Diese Jungfrauen wurden wegen ihrer Tugend geopfert; sie wollten sich nicht dazu hergeben, Götter aus Holz oder Stein zu verehren....


Teich

12. Und es begab sich: Die Priester taten mir Gewalt an, um auch mich zu töten, wie sie es mit jenen Jungfrauen auf dem Altar getan hatten; und damit man Kenntnis habe von diesem Altar, will ich auf die Darstellung zuBeginn dieses Berichts verweisen.


Wasser

13. Er war in Gestalt einer Bettstatt gemacht, wie es bei den Kaldäern benutzt wurde, und es stand vor den Göttern von Elkena, Libna, Mamakra, Korasch und auch einem Gott gleich dem des Pharao, des Königs von Ägypten.

14. Damit man eine Vorstellung von diesen Göttern hat, habe ich in der Abbildung am Anfang ihr Aussehen angegeben, und diese Art von Abbildung wird von den Kaldäern „ralinos“ genannt, was Hieroglyphen bedeutet.


groß

15. Und als sie nun die Hände gegen mich erhoben, um mich zu opfern und mir das Leben zu nehmen, siehe da erhob ich die Stimme zum Herrn, zu meinem Gott, und der Herr vernahm es und erhörte mich und er erfüllte mich mit der Vision des Allmächtigen......

Nachdem diese Übersetzungen ans Licht der Öffentlichkeit gelangten, war die Enttäuschung unter den Mitgliedern groß und man musste die Haltung gegenüber der Übersetzung neu formulieren. Dr. Nibley schrieb dazu:

„..dachte er [Joseph Smith] wirklich, dass er übersetzen würde? Wenn ja, handelte er in gutem Glauben. Aber übersetzte er wirklich? Wenn ja, geschah es durch einen Vorgang, der dem Verstand des Spezialisten fremd ist und im Reich des Unergründlichen liegt...“37

Und die Enzyklopädie des Mormonismus sagt:

„...die Übersetzung ins Englische des Textes des Buches Abraham, geschah eher durch göttliche Inspiration, als durch sein [Joseph Smith] Wissen über Sprachen. Seine genaue Methode bleibt unbekannt.“38

Auch die Interpretation der Faksimile ist eine Betrachtung wert. Da das Fragment von Faksimile 1 anscheinend unvollständig war (siehe Abb. 4.2.1) musste Joseph Smith es ergänzen. Man betrachte auch hier die Unterschiede zwischen der Ergänzungen der Ägyptologen und derer von Joseph Smith.

Joseph Smiths Interpretation aus der Köstlichen Perle:



1: Der Engel des Herrn
2: Abraham auf einem Altar festgebunden
3: Der Götzendiener von Elkena versucht Abr. zu opfern
4: Der Altar des Opferns; steht vor den Götzen von Elkena, Libna, Mamakra Korasch und Pharao
5: Der Götze von Elkena
6: Der Götze von Libna
7: Der Götze von Mamakra
8: Der Götze von Korasch
9: Der Götze von Pharao
10: Abraham in Ägypten
11: Dies stellt die Säule des Himmels dar, wie die Ägypter sie sich vorstellen
12: raqia, das bedeutet Weite oder das feste Gewölbe über uns.......
39

Interpretation der Ägyptologen:



Das Bild zeigt die mystische Einbalsamierung und Auferstehung von Osiris, dem ägyptischen Gott der Unterwelt. Osiris wurde von seinem eifersüchtigen Bruder Set erschlagen, der seinen Körper in 16 Stücke zerschnitt und zerstreute. Aber Isis, die geliebte Frau von Osiris, sammelte die Stücke geduldig auf und fügte sie zusammen. Der schakalköpfige Gott Anubis wird gezeigt, wie er den Körper von Osiris einbalsamiert auf der traditionellen löwenköpfigen Liege, damit er zum Leben zurückkehren kann. Osiris hält eine seiner Hände über den Kopf, die Handfläche nach unten, als Zeichen von Gram, während seine Seele oder ba, als ein menschenköpfiger Vogel gezeigt, dabei ist in seinen Körper zu fahren. Isis hat in der Zwischenzeit die Form eines Falkens angenommen und schwebt über der Lende von Osiris, der seinen Phallus (ithyphallische Zeichnung) in Erwartung des fortpflanzenden Aktes hält, der Isiris mit deren Sohn Horus schwängern soll. Die vier Söhne des Horus werden als die Köpfe der vier kanoptischen Krüge unter der Liege gezeigt – deren Namen sind Amset, Hapi, Duamutef und Qebehsenuef. Vor der Löwenliege steht eine Trankopferplattform mit Wein, Ölen und einer modischen Papyruspflanze. Im Vordergrund ist ein Becken mit Wasser, welches vorne mit Steinen begrenzt ist und in dem der Krokodilgott Sobek schwimmt. In der ägyptischen Beerdigungsliteratur „wird“ der Verstorbene tatsächlich Osiris und man verweist auf ihn als „der Osiris Hor“ (Hor ist die tatsächlich beerdigte Person)40.

Diese Gegenüberstellung zeigt gravierenden Unterschiede die auch auf die Faksimile Nr. 2 und Nr.3 aus der Köstlichen Perle zutreffen. Eine detaillierte Untersuchung aller Faksimile ist auf dieser Site zu finden: Die Faksimile des Buches Abraham 41.

Erklärungsversuche
Vor 1967 war die Haltung der Kirche, bezüglich der Herkunft des Buches Abraham, eindeutig. Abraham schrieb einen Bericht seiner Erfahrungen in Ägypten persönlich und illustrierte diesen. Dieser Bericht wurde bewahrt, um dann vom Propheten Joseph Smith durch eine göttliche Gabe übersetzt zu werden. Nach den Entdeckungen der Papyri gab es – wenigstens unter den Gelehrten der Kirche – etliche Versuche, Erklärungen zu finden. Hier einige Beispiele:

Die „Abrahampapyri waren nicht vorhanden“ Theorie

Diese Meinung besagt, das die gefundenen Papyri zwar Teile der gesamten Papyri sind, aber diejenigen, von welchen der Text übersetzt wurde, nicht vorhanden sind. Diese Meinung wird in bekannter Kirchenliteratur auch heute noch vor den Mitgliedern vertreten. In dem Buch Seine Kirche wiederhergestellt liest man folgendes:

„..Das geschah am 27. November 1967 [Rückgabe der Papyri]. Die Papyri, von denen das Buch Abraham übersetzt worden war, waren aber nicht dabei.“42

Die ganze Abhandlung in diesem Buch über das Buch Abraham sagt nichts über oben angeführten Problematiken aus. Mit keinem Wort wird dem Leser etwas über die Untersuchungen der Ägyptologen gesagt und es werden auch keine Bilder der Originalpapyri gezeigt. Das Faksimile Nr. 1 wird dargestellt und trotz der gravierenden Unterschiede zu den Interpretationen der Ägyptologen, als wahr und richtig angenommen. Den meisten Lesern wird die Erklärung damit auch genügen, da man ja keinerlei Vergleich hat. Die oben angeführten Fakten zeigen jedoch eindeutig, dass die Papyri, von denen das Buch Abraham übersetzt wurde, dabei waren. Es ist ein trauriges Resümee wenn man erkennt, wie mit der Gutgläubigkeit der Mitglieder umgegangen wird. Die Grundlage für diese Theorie ist wohl die folgende:

Die „Fehlende schwarze und rote Rolle“ Theorie

Basiert prinzipiell auf der selben Grundlage, wie die oben genannte, geht jedoch genauer auf die Papyri ein. Die Grundlage der Argumentation findet sich in der History of the Church. Dort liest man:

„Der Bericht von Abraham und Joseph, der mit den Mumien gefunden wurde, ist wunderschön auf Papyrus geschrieben, in schwarz und ein kleiner Teil in rot, mit Tinte oder Farbe, vollkommen erhalten.“ 43

Da das Sensen Papyrus (Papyrus XI) weder schön geschrieben noch vollkommen erhalten ist, noch rote Tinte oder Farbe enthält, wurde schnell angenommen, dass es hier noch weitere Papyri geben muss, die bei dem Fund 1967 nicht dabei waren und von denen das Buch Abraham stammen muss. Hugh Nibley erklärte dazu in seinem Artikel Judging and Prejudging the Book of Abraham, dass Joseph F. Smith, der Neffe von Joseph Smith, 1906 einmal davon berichtete, wie sein Onkel die gesamten Papyri auf dem Fußboden ausbreitete und Notizen machte. Nibley führt dabei an, dass die nun vorhandenen elf Fragmente gerade mal auf einen kleinen Tisch passen würden und dass damit das Fehlen anderer Teile offensichtlich sei. Die angeführte Theorie war damit geboren.

Sprich, es musste außer den genannten Rollen noch weitere Rollen gegeben haben, denn der Überrest der vorhandenen beiden Rollen wurde ja bereits identifiziert, nämlich als Das Buch des Atmens und Das Buch der Toten (wie oben beschrieben). Untersuchen wir diese Behauptung im Detail:

Zum oben angeführten Zitat aus der History of the Church, welches Joseph Smith zugeschrieben wird, räumt B.H. Roberts ein paar Seiten weiter hinten ein, dass diese Aussage ursprünglich aus einem Brief von Oliver Cowdery stammt, der im Messenger and Advocate abgedruckt wurde (siehe Fußnote 33) und dem Propheten sozusagen in den Mund gelegt wurde. Cowdery wiederum entnimmt seine Aussage einem Plakat, das von Michael Chandler stammt. Das Plakat beinhaltet Aussagen über das Erscheinungsbild der Papyri und zwar als ganzes, nicht der einzelnen Rollen.

Aus den Berichten von Zeitzeugen wird klar, dass die Kirche immer nur im Besitz von zwei Rollen war und zusätzlich noch zwei oder drei kleinere Stücken mit astronomischen Berechnungen und Grabschriften besaß. Wir lesen wieder in der History of the Church:

„Am 3. Juli kam Michael H. Chandler nach Kirtland, um einige ägyptischen Mumien auszustellen. Da waren vier menschliche Figuren, zusammen mit zwei oder mehr Papyrusrollen ....“44

Und,

„Bald danach kauften einige der Heiligen in Kirtland die Mumien und die Papyri...und gemeinsam mit W.W.Phelps und Oliver Cowdery als Schreiber, begann ich die Übersetzung....und sehr zu unserer Freude sahen wir, dass eine der Rollen die Aufzeichnungen Abrahams und eine andere die Aufzeichnungen Josephs aus Ägypten enthielt...“45

Bevor man nun schlussfolgert, dass zwei oder mehr bedeuten, dass es noch andere Rollen gab, sollten wir die Aussagen von Oliver Cowdery aus dem Messenger an Advocate weiter verfolgen:

Zum Thema des ägyptischen Berichts, oder besser die Aufzeichnungen von Abraham und Joseph, möchte ich folgendes sagen. Dieser Bericht ist wunderschön auf Papyrus geschrieben mit schwarz, und ein kleiner Teil rot, Tinte oder Farbe, vollkommen erhalten.“

Cowdery führt damit an, dass der gesamte ägyptische Bericht, nicht nur ein Teil davon, die Aufzeichnungen Abrahams und Josephs sind. Und weiter:

„Beim Öffnen der Särge entdeckte er, dass in Verbindung mit zweien der Körper etwas zusammengerollt war, mit der selben Art von Leinen, gesättigt mit dem selben Bitumen, welches sich nach einer Untersuchung als die zwei Rollen Papyrus herausstellten, die vorher erwähnt wurden. Ich möchte hinzufügen, das zwei oder drei andere Papyrusstücke, mit astronomischen Berechnungen, Grabschriften, usw. bei anderen Mumien gefunden wurden.“

In einer Nachschrift zu diesem Brief fügt er an:

„Sie werden durch das Vorangegangene verstehen, dass zu der Zeit, von der ich gesprochen habe, elf Mumien aus den Katakomben entnommen wurden und es wurde nichts definitives über deren Verkauf gesagt. Ich möchte jedoch mit Richtigkeit einige Worte hinzufügen. Sieben der genannten Elf wurden von Herren für private Museen gekauft, noch vor dem Besuch von Mr. Chandlers an diesem Ort, mit einer kleinen Menge von Papyri, die den astronomischen Abbildungen auf den gegenwärtigen zwei Rollen ähneln, von denen ich vorher gesprochen habe, die übrigen vier [Mumien] von Herren hier wohnhaft [Kirtland].46

Durch diese Aussagen von Oliver Cowdery wird eindeutig klar, dass es sich nur um zwei Rollen gehandelt hat zusammen mit einigen Fragmenten astronomischen Inhalts (ähnlich wie in Faksimile Nr. 2). Diese zusammen ergeben die zwei oder mehr Rollen, von denen gesprochen wurde.

Weiterhin sei hier erwähnt, dass das so genannte Buch Joseph, also das Buch der Toten für Ta-shert-Min, durchaus auf Beschreibung der History of the Church passt. Diese Papyri (IV, V, VI, VII, VIII) sind in gutem Zustand, schön geschrieben und ein kleiner Teil davon in roter Tinte oder Farbe, wie man den gefundenen Papyri leicht entnehmen kann. 47.

Und letztlich sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Originalmanuskripte (Abb. oben) die ersten vier Zeilen des kleinen Sensen Papyrus (Papyrus XI) samt der Übersetzung von Joseph Smith enthalten.

Trotz der angeführten Fakten, zog diese Theorie weite Kreise innerhalb der Kirche. Z.B. im 1988 Ensign, in einem Artikel von Michael D. Rhodes und die Encyclopedia of Mormonism (1992) erwähnt auch, dass die Quellen für das Buch Abraham bei der Entdeckung nicht vorhanden waren. Eine wachsende Zahl von Gelehrten kann die fraglichen Anführungen Nibleys jedoch nicht akzeptieren und lehnt die Theorie ab48.

Die „Versteckte Bedeutung“ Theorie

Diese Theorie besagt, dass der ägyptische Text mehr als nur eine Bedeutung hat. Es gibt eine direkte Bedeutung, die von den Gelehrten durch sprachwissenschaftliche Übersetzung direkt übernommen werden kann und eine geheime Bedeutung, die nur durch Hilfe des Urim und Thummim oder des Sehersteines von Joseph Smith ans Licht dringt. Dr. Nibley schrieb:

„...es gibt oft Texte mit doppelter Bedeutung ... es ist durchaus möglich, dass das 'Sensen-Papyrus' [Papyrus XI] geradewegs so eine kleine Geschichte erzählt und einen völlig unterschiedlichen Text verborgen hält ... sie [die Ägypter] wissen, was sie tun, aber wir nicht. Wir haben den Schlüssel nicht.“49

Für eine Zeit war dies für viele eine plausible Erklärung. Sie lässt sich jedoch nicht halten, da – wie oben beschrieben – der Text des Sensen-Papyrus bekanntlich nicht vor 400 v. Chr. in Gebrauch kam. Außerdem wurde der Text jeweils an den Verstorbenen angepasst, sein Name und der Name der Eltern wurden angeführt, was immer zu einem anderen Text führt. Kein namhafter Ägyptologe würde so eine Theorie unterstützen50 und so verschwand diese Theorie langsam wieder.

Die „Gedächtnisstütze“ Theorie

Die beiden Mormonengelehrten John Tvedtnes und Richley Crapo gingen das Problem wie folgt an. Sie sahen in der eigentlichen Übersetzung des Ägyptischen und der Übersetzung von Joseph Smith Parallelen. Beispielsweise (Abb. 4.2.5) die erste Hieroglyphe mit der Bedeutung „das, dieser“ findet sich in Joseph Smiths Übersetzung bei „Dieser Priester...“ usw. Die beiden Gelehrten nahmen nun an, dass hinter jeder dieser Parallelen eine Anzahl festgelegter Aussagen zum Leben Abrahams, entweder von Abraham selbst oder von seinen Nachkommen entwickelt, standen. Joseph Smith hatte nun durch die Gabe Gottes die Möglichkeit, diese Aussagen herauszulesen. Auch Dr. Nibley schenkte dieser Theorie Beachtung.

Doch auch diese Theorie ließ sich nicht halten und wurde durch Ägyptologen, wie Dr. Baer51, dementiert, da es „kein sichtbares Prinzip“ für diese Art der Übersetzung gibt und dass die angenommene Methode keine konsistente Prozedur aufweist und eher zufällig und chaotisch erscheint. Trotzdem war diese Theorie für einige Jahre sehr populär innerhalb der Kirche.

Die „Schreiber taten es“ Theorie

Nachdem man wohl keinen anderen Rat mehr wusste, war es Dr. Nibley selbst, der sich von der Echtheit der Übersetzung (Alphabet und Grammatik) distanzierte und diese komplett seinen Schreibern zuschrieb. Diese „Männer von Kirtland“, sagte er, versuchten schlicht Ägyptisch selbst zu lernen, „indem sie es mit ihrem eigenen Verstand angingen“ und versuchten grammatische Regeln durch Vermutungen aufzustellen52. Nibley räumte ein, dass die Schreiber in ihren Bemühungen durch den Propheten selbst ermutigt wurden, denn vier Seiten der Manuskripte enthalten die Handschrift von Joseph Smith selbst, was aber die Fähigkeiten des Propheten keinesfalls in Frage stellen würde. Denn „seine“ Übersetzung war eine Sache, während die Diskussionen, Spekulationen und intellektuellen Kämpfe mit den Kirtland Brüdern etwas anderes waren53. Nibley führte nicht nur an, dass die Manuskripte für Smith keinen Wert gehabt haben sollen, sondern dass dies auch der Grund dafür ist, dass die Kirche diese für so lange Zeit unter Verschluss hielt.

Innerhalb der Kirche war diese Theorie ein Erfolg, denn sie distanzierte den Propheten von den „peinlichen“ Übersetzungen. Für viele war diese Theorie jedoch zu einfach und stand im Widerspruch zu den vielen Hinweisen in der Church History und anderswo. So lesen wir in der Kirchengeschichte folgendes von Joseph Smith:

„[Juli, 1835]– Den Rest des Monats war ich eingehend mit der Übersetzung eines Alphabets zum Buch Abraham beschäftigt und erarbeitete eine Grammatik der ägyptischen Sprache, wie sie von den Alten benutzt wurde.“54

„[Oktober, 1835] An diesem Nachmittag arbeitete ich am ägyptischen Alphabet, gemeinsam mit Br. O. Cowdery und W.W. Phelps. Während des Forschens wurde das Prinzip der Astronomie, wie es von Vater Abraham verstanden wurde, unserem Verstand eröffnet....“55

Wenn Joseph Smith die Manuskripte für wertlos hielt, dann hätte er nicht zugelassen, dass diese in das offizielle Manuskript der Kirchengeschichte 1835 übernommen wurden. Es gibt weitere Beispiele dafür, dass Joseph Smith die Manuskripte regelmäßig präsentierte und auf ihre Bedeutung hinwies56.

Namhafte Ägyptologen aus dem Umfeld der Kirche, wie Edward H. Ashment, haben sich taktvoll von dieser Theorie distanziert und eine direkte Verbindung der Manuskripte zu Joseph Smith eingeräumt57. In seinem Essay, Reducing Dissonance: The Book of Abraham as a Case Study, hat sich Ashment eingehend mit dieser Theorie beschäftigt und aufgezeigt, dass Nibleys Erklärungen nicht der Wahrheit entsprechen. Er schreibt:

"Dieser Beweise widerspricht nicht nur Nibleys Annahme, dass 'das Englische des Buches Abraham hier hin geschrieben wurde, bevor die ägyptischen Zeichen hinzugefügt wurden', und dass die hieratischen Zeichen 'herauskopiert wurden ... von einem einzelnen Schreiber in einer hervortretenden und ziemlich geschickten Handschrift', sondern zeigt auch auf, dass in diesen Manuskripten die 'achtzehn hieratischen Randsymbole' von Papyrus JS 11, direkt mit dem Englisch des Buches Abraham in Verbindung stehen."

Die „Ägyptisch versteht sowieso niemand“ Theorie

Auf diese Theorie will ich nicht lange eingehen. Sie wird nur angeführt, um die Verzweiflung um die Geschichte zu demonstrieren. Wie eingehend erwähnt, ist Ägyptisch heute eine erschlossene Sprache, wie das Hebräische auch. Wer sich auf eine solche Argumentation einlässt, kann im Prinzip alles behaupten.

Neuere Forschungen von F.A.R.M.S

Wie bereits erwähnt ist F.A.R.M.S eine Forschungseinrichtung, die sich mit der wissenschaftlichen Erforschung heiliger Schrift des Altertums befasst (siehe Fußnote 8) und damit auch versucht, den Kritikern der Kirche Gegenargumente zu liefern. Bücher sind bereits auch in Deutsch erhältlich.

Ein Artikel bezüglich des Buches Abraham wurde 1992 offiziell im Ensign abgedruckt. In diesem wird von John Gee behauptet, dass das Wort Abraham in den gefundenen Papyri vorkommen soll und eine Verbindung zwischen dem Patriarchen und den Papyri besteht – auch in Zusammenhang mit Faksimile Nr.1.

Diese Abhandlung wurde ebenfalls von Edward H. Ashment (Ägyptologe und früherer Koordinator für Übersetzungsdienste der Kirche) dementiert und als falsch erklärt. Ashment zeigt auf, dass Gee seinen Lesern verheimlicht, dass er bei seinen Recherchen auf magische Papyri zurückgreift, die viel jünger sind, als die JS-Papyri. Weiter legt er offen, dass es sich bei der Person in diesen Papyri um eine Frau handelt, über die magische Sprüche auf einer Löwencouch ausgesprochen werden und nicht um Abraham, der geopfert werden soll. Er schließt seine Abhandlung mit den folgenden Worten:

„Mehr als alles andere deuten die Artikel darauf hin, dass Gees wissenschaftliche Sichtweise, von seinem Bestreben 'glaubensstärkende' Beweise hervorzubringen, verdeckt ist. Leser solcher Verteidigungsartikel müssen konsequenterweise äußerst vorsichtig sein, solche 'glaubensstärkenden' Behauptungen zu akzeptieren. Wie die oben angeführte Prüfung [aus seiner Abhandlung] zeigt, können Verteidigungsartikel 'glaubhafte Geschichte' vermitteln, die von einem nichts ahnenden Publikum historisch nicht streng hinterfragt wird. Leider verliert dabei jeder: Rechtfertiger werden von ihren Kollegen in der akademischen Welt nicht ernst genommen; Kirchenmitglieder werden falsch informiert; und Peinlichkeit wird letztendlich auf die Kirche zurückkommen ...“

Eine ausführliche Erklärung findet sich in eine seiner Abhandlungen The Use Of Egyptian Magical Papyri to Authenticate the Book of Abraham 58 und in Abraham in alten ägyptischen Texten? - Ägyptologe dementiert Aussagen von Apologet John Gee auf dieser Site.

Gee ist der Kirchengelehrte, auf den sich die meisten Mitglieder stützen. Er steht mit seiner Ansicht allerdings alleine in der restlichen akademischen Welt.

Edward H. Ashment hat sich mit den Argumenten der mormonischen Apologeten, besonders auch mit denen von Nibley, auseinandergesetzt. In der Schlussfolgerung seines Essays: Reducing Dissonance: The Book of Abraham as a Case Study, heißt es:

"Es wird daher vorgeschlagen, dass solch ein Umgang mit Dissonanz, in bezug auf das Buch Abraham, unterlassen wird. Eine Beobachtung des Bibelforschers Jacob Neusner scheint hier angebracht zu sein: 'ein alter, christlicher Text, einer aus dem ersten Jahrhundert z.B., kann als würdiges Thema für wissenschaftliche Untersuchungen erachtet werden [durch Religionshistoriker]. Aber ein frischer christlicher Ausdruck (ich denke dabei an das Buch Mormon) steht eigentlich für Verspottung zur Verfügung aber niemals zum Studium. Religiöse Erfahrung im dritten Jahrhundert ist faszinierend. Religiöse Erfahrung im zwanzigsten Jahrhundert [oder neunzehnten] ist beängstigend oder absurd.'
Mormonische Apologeten haben die mangelhafte Hypothese, von der Neusner spricht, völlig akzeptiert. Ein Beweis dafür ist deren Versuch, aus dem Buch Abraham ein 'würdiges Thema für wissenschaftliche Untersuchungen' zu machen und es davor zu bewahren, ein Gegenstand der Verspottung zu sein, indem es unnötigerweise archaisiert wird. Es scheint mehr angebracht - und mehr akkurat - es als einen 'frischen christlichen Ausdruck' zu betrachten. Lasst die HLT-Gemeinschaft beginnen zu studieren, nachzudenken und vom Buch Abraham zu lernen, von dem was es ist - nicht von dem, was manche in der Gemeinschaft wünschen, das es ist.
"

Ashment hat auch schon zu früheren Gelegenheiten, Nibleys Fehler offen gelegt. So etwa in Sunstone, Dez. 1979. Nibley sagte dazu:

"Nachdem ich Bruder Ashment gehört habe, muss ich einige Änderung in bezug darauf machen, was ich bereits gesagt habe."
"Ich bin nicht verantwortlich für etwas, was ich vor mehr als drei Jahren geschrieben habe."

Diese letzte Aussage umschreibt ziemlich gut, was von Nibleys Methodik zu halten ist. Wir haben hier einen Gelehrten, der spekulative Theorien entwirft, für die er sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr verantwortlich fühlt.

Auch der Ägyptologe Dr. Stephen E. Thompson (siehe oben) bezweifelt, dass Joseph Smith das Buch Abraham durch Übersetzung zustande gebracht hat und erklärt, dass Larsons Buch das Beste ist, was man zum Thema lesen kann und dass es weit mehr akkurat ist, als alles, was Nibley je dazu geschrieben. Auch er hat Gee dementiert.

David P. Wright, Professor of Hebrew Bible and Ancient Near East, untersuchte den Inhalt des Buches Abraham, wie er von Joseph Smith verfasst wurde und stellte fest, dass dieser nichts mit dem Ägyptischen zu tun hat, sondern vielmehr mit dem Hebräischen. Dies führt er darauf zurück, dass Joseph Smith mit Joshua Sexias Hebräisch lernte. Er stimmt mit Thompson darin überein, dass das Buch Abraham weder historisch, noch authentisch ist. Wright schlussfolgert:

„Diese Beweise, gemeinsam mit Thompsons Beobachtungen, zeigen, dass das Buch Abraham nicht von Abraham verfasst wurde, nicht historisch ist und, in der Tat, das Produkt von Joseph Smiths kreativer - inspirierter, wenn man denn so will - Bibelauslegung ist. Diese Schlussfolgerung kann mit Bestimmtheit gemacht werden. Sie ist weit von einer wilden Spekulation entfernt. Entegegengesetzt muss man betonen, dass die meisten Forschungen, die geschrieben wurden, um die altertümliche Herkunft des Buches ( und abrahamische Herkunft oder Geschichtlichkeit ) zu verteidigen ( das meiste von Hugh Nibley ), schwach und spekulativ sind und Mängel aufweisen durch wenig präzise Textanalyse und methodische Ungenauigkeit.“

Für weitere Aussagen namhafter Gelehrter zum Thema, siehe: Das verlorene Buch Abraham

Es gibt noch etliche andere Theorien, die aber hier nicht aufgeführt werden können. Mehr dazu in weiterführender Literatur59.

Schlussfolgerung
Der Leser kann sich aus den angeführten Tatsachen nun sein eigenes Bild machen und zu einer eigenen Schlussfolgerung kommen. Für mich persönlich ist hier ein eindeutiger Beweis erbracht, dass das Buch Abraham nicht das ist, für was die Kirche es ausgibt. Erstaunlich ist die Fähigkeit, seitens der Rechtfertiger, fragwürdige Erklärungen zu finden, wenn die Wahrheit so klar vor den Augen liegt. Allen voran Dr. Nibley.

So bleiben nur Strohhalme und Theorien, an denen man sich festhalten kann, um die Authentizität des Buches aufrecht zu erhalten. Letztendlich bleibt dem Mitglied nur der Rückzug in den Glauben, mit der Hoffnung, dass der Tag schon kommen wird, an dem der Herr die Dinge zeigen wird, wie sie „wirklich“ waren.

Manches Mitglied, dass die Problematik erkannt hat, wird vielleicht argumentieren, dass dadurch die Kirche nicht zusammenbricht und die Auswirkungen nur gering sind. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ausgehend vom Buch Abraham, zentrale Lehren der Kirche verankert sind, die man nicht so einfach lösen kann. Z.B., dass Schwarze kein Priestertum empfangen können und etliche andere Dinge. Akzeptiert man, dass das Buch Abraham falsch ist, so ergeben sich daraus unweigerlich Konsequenzen! Wie können wir denn sonst argumentieren, dass bis 1978 Hunderttausenden von Brüdern die höheren Segnungen des Priestertums verwehrt blieben? Ein Fehler? Wussten die nachfolgenden Propheten nicht, um was es sich beim Buch Abraham handelt? Waren sie nicht inspiriert? Und so geht es weiter.

Bleibt noch zu diskutieren, warum Joseph Smith diese Übersetzung vorgenommen hat? Welchen Nutzen hatte er davon? Hier eine mögliche Erklärung:

Genauere Betrachtungen des Erscheinens und Inhalts mit den Gegebenheiten und Anfechtungen der Zeit, werfen folgendes neues Licht auf die Hintergründe, die in Zusammenhang mit mehreren neuen Lehren des Propheten standen. Es gab etliche Stimmen in der Kirche, die das Priestertum, so wie es Joseph Smith lehrte, nicht akzeptieren wollten. Es wurde auch behauptet, dass Smith die Lehre des Priestertums erst im Nachhinein eingeführt hatte, im Gegensatz zu LuB 13 und 27.

David Whitmer schrieb:

„Diese Art des Priestertums, seit den Tagen Sydney Rigdons, war das große Hobby und der Stolperstein der Heiligen.... Die Sache mit den zwei Priestertümern in der Kirche Christi und der Weitergabe desselben im alten Gesetz in der Kirche, dies alles entstand im Kopf von Sydney Rigdon.“60

Mit dem Hervorkommen des Buches Abraham war nun auch den Kritikern bewiesen, dass die Sache des Priestertums echt war, denn Abraham selbst hielt – laut der Übersetzung – dieses ewige Priestertum. Weiterhin wurde dem Propheten vorgehalten, dass die Prophezeiungen in Sachen Missouri nicht in Erfüllung gingen. Andere zweifelten an seiner Fähigkeit, das Buch Mormon übersetzt haben zu können usw. In dieser Zeit der Anfechtungen gab die Übersetzung der Papyri dem Propheten neue Rückendeckung und seine Reputation wuchs. Lehren, die er neuerlich begonnen hatte zu lehren und teilweise keine Akzeptanz fanden, wie z.B. die Präexistenz, ewiger Fortschritt, Wesen und Wohnort Gottes, Mehrheit von Göttern, wurden durch das Buch Abraham unterlegt. Weiter bot das Buch Abraham auch die einzige Grundlage, den Schwarzen das Priestertum zu verwehren.

Somit könnte das Buch Abraham seiner Zeit dem Propheten geholfen haben, spirituell zu überleben. In einer Zeit, in der niemand den Inhalt der Papyri überprüfen konnte. Doch die Zeiten haben sich geändert......


Fußnoten

1 Charles M. Larson: ...by his own hand upon papyrus. Dies ist wahrscheinlich das am weitesten recherchierte Buch zu diesem Thema. Charles M. Larson ist ein ehemaliges Mitglied der Kirche und hat die Geschichte und Archäologie des Buches Abraham bestens studiert. Obwohl er selbst kein Ägyptologe ist, haben zwei Ägyptologen der Kirche sein Buch als bestes Themenbuch bewertet oder anerkannt. Viele der angeführten Fußnoten sind diesem Buch entlehnt.

2 History of the Church, Band 2, S.235f.

3 History of the Church, Band 2, S.236

4 History of the Church, Band 2, S.236

5 Brief von Oliver Cowdery an W. Frey, vom 25. Dez. 1835. Herausgegeben im HLT Messenger and Advocate, Dez. 1835

6 History of the Church, Band 2, S.238, 318ff.

7 Siehe Buch Abraham 5:21

8 Sidney B. Sperry, Ancient Records Testify in Papyrus and Stone, S.83

9 Siehe Einleitung zum Buch Abraham in der Köstlichen Perle.

10 History of the Church, Band 2, S.236, und Band 4, S. 518, Times and Seasons, März 1842

11 Bruce R. McConkie, Mormon Doctrine 1979, S.564

12 Egyptian Grammar, Being an Introduction to the Study of Hieroglyphics, Sir Alan Gardiner, 3.Aufl.

13 Voyage au Pays des Mormons, von Jules Remy

14 George Reynolds and M. Sjodahl, Commentary on the Pearl of Great Price, S. 280

15 Dr. Arthur Mace, Assistant Curator, Metropolitan Museum of Art, New York, Dept. of Egyt. Art. James H. Breasted, Ph.D., Haskell Oriental Museum, University of Chicago

16 Improvement Era, Band 16, Februar 1913

17 Wlliam E. Berret, Seine Kirche Wiederhergestellt, S.97

18 Dr. Atiyas Bericht der Entdeckung wurde in der Januar Ausgabe 1968 der Imrovement Era ausgegeben.

19 Impovement Era, Januar 1968, S.25

20 Dialogue A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, S.91 – Dialogue war eine nicht-offizielle Kirchenzeitschrift

21 Brief von I.E. Edwards, Department of Egytian Antiquities, 9. Juni 1966

22 Aus Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Herbst 1968, S.133,134.

23 Abr. 1:12

24 Abr. 1:14

25 Darunter Sounding Brass und The Myth Makers

26 Brief von Dr. Nibley an Dee Nelson, abgebildet in Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.55

27 In einem Bericht von Dee Nelson an Jerald und Sandra Tanner.

28 Frühlingsausgabe der Brigham Young University Studies, 1968

29 Improvement Era, Mai 1970, S.82f.

30 Eine komplette Übersicht in Farbe findet sich in Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.33, oder teilweise im Internet

31 Dr. Klaus Baer, Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Herbst 1968, S.111

32 Dr. Klaus Baer, Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Herbst 1968, S.116f.

33 Richard A. Parker, Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, S.98

34 Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.61–80

35 Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.81–87

36 Siehe dazu Charles M. Larson...by his own hand upon papyrus, S.97ff.

37 Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, S.101

38 Daniel Ludlow, The Encyclopedia of Mormonism, Band 1, S.134

39 Köstliche Perle, S.28

40 Eine erweiterte Erklärung zu Dr. Klaus Baer in Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, S.118

41 Eine komplette Übersicht findet sich in Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.100–111

42 William Edwin Barret, Seine Kirche wiederhergestellt, S.97

43 History of the Church, Band 2, S.248, siehe auch Fußnote 33

44 History of the Church, Band 2, S.235

45 History of the Church, Band 2, S.236

46 Siehe Fußnote 33

47 Siehe dazu Farbfotos aus Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.33f.

48 Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.129–134

49 Nibley, Brigham Young University Studies, Frühling 1968, S.249

50 Prof. Richard Parker in einem Brief an Marvin Crowan, 9. Januar 1968

51 Aus Jay Todds Buch The Saga of the Book of Abraham, 1969, S.386

52 Dr. Hugh Nibley, Judging and Prejudging the Book of Abraham, herausgegeben von Robert und Rosemary Brown in They Lie in Wait to Deceive, S.236–245

53 Wie 74, S.238

54 History of the Church, Band 2, S.238

55 History of the Church, Band 2, S.286

56 The Voice of Truth (1844), S. 16f., zitiert in No Man Knows My History, S.292

57 Sunstone, Dezember 1979

58 The Use Of Egyptian Magical Papyri To Authenticate The Book Of Abraham

59 Eine komplette Übersicht findet sich in Charles M. Larson ...by his own hand upon papyrus, S.114–140

60 David Whitmer, An Address to all Believers in Christ (Richmond Missouri, 1887) S.64